Wie Du bist, bist Du richtig!

An meine Tochter

Liebe Leni,

wenn Du das hier lesen kannst, bist Du schon ein richtig großes Mädchen. Ich möchte Dir heute, im Februar 2018 ein paar Zeilen schreiben und habe mir überlegt, dass ganz viele andere Menschen das mitlesen dürfen, ok? Denn vielleicht ist der eine oder andere Satz auch für andere Menschen ein guter Gedanke.

Als Du auf die Welt kamst, hat sich für mich sehr viel im Leben geändert. Zum Beispiel habe ich lernen dürfen, dass ich nächtelang ohne Schlaf auskommen kann. Und Du hast mir erklärt, wie man im Jetzt leben kann. Also so richtig. Ohne Vergangenheit, ohne Zukunft. Nur im Augenblick. Wenn Du etwas Buntes gesehen hast, dann warst Du begeistert. Wenn Du gespielt hast, dann gab es nur noch den Augenblick. Du hast mir beigebracht, den Moment zu genießen. Plötzlich hatte ich eine kleine Zen-Meisterin. Ganz für mich alleine! Und Du warst immer nachsichtig mit mir. Weißt Du noch, wie ich Dir aus Versehen die Erwachsenen-Zahncreme auf die Zahnbürste geschmiert habe?

Wenn ich Dir beim Schlafen zusah, dann war ich oft richtig neidisch, denn keiner kann so schlafen wie ein kleines Kind. Ohne Grübeln, ohne Sorgen.

Warum können Erwachsene nicht so frei und unbeschwert sein?

Als Du größer wurdest, habe ich Dich für Deinen Entdeckergeist bewundert. Du wolltest lernen und ausprobieren. Jeden Tag, vom Wachwerden bis zum Einschlafen. Dir ist es immer komplett egal, ob ein Anderer etwas angeblich besser kann. Du hast das tollste Bild auf der ganzen Welt gemalt, weil DU es gemalt hast. Du vergleichst Dich nicht mit Anderen. Als Deine Oma Geburtstag hatte, hast Du ihr die schönste Papierkrone der Welt gebastelt. Und sie hat die Krone getragen. Da warst Du richtig stolz.

Weißt Du eigentlich, dass Erwachsene sich ständig mit anderen Menschen vergleichen, gewinnen wollen und doch nie zufrieden sind?

Leni, ich habe von Dir lernen dürfen, zufrieden und glücklich mit mir zu sein. Mir selbst zu vergeben und meinem inneren Denker erfolgreich zu widersprechen, wenn er mir mal wieder einreden möchte, ich solle anders sein. Abnehmen, Trainieren, mein Äußeres verändern. Du wusstest schon von Anfang an, dass Du perfekt bist.

So, wie Du bist, bist Du richtig.

Du hast nie beurteilt, was bei anderen Menschen richtig oder falsch ist. Wann verlernen wir Menschen eigentlich, tolerant zu sein? Gegenüber sich und den Anderen. Sich selbst zu verzeihen und mit sich ins Reine zu kommen. In der Badewanne hast Du einmal die Shampoo-Flasche mit einem männlichen Modell darauf neben mein Gesicht gehalten und gesagt “Wie der Papa!”. Darüber haben Mama und ich oft gelacht.

Ich wünsche Dir ein Leben, das Du frei und selbstbestimmt leben kannst.

Ohne Limits im eigenen Kopf, ohne Grübeln, ohne Begrenzungen. Ich hoffe, dass Du Deinen inneren Denker sehen kannst und ihm klar sagst, dass DU entscheidest, was Du denkst. Verwechsle Deine Gedanken nicht mit Dir. Wenn Du Deinen inneren Fühler siehst und verstehst, wie er aus Vergangenheit und Zukunft die unsinnigsten Emotionen herstellt, dann sage ihm “Nein!” und entscheide jeden Morgen selber, wie Du sein möchtest.

Leni, ich danke Dir für die vielen schönen Momente. Da kein Mensch einen anderen besitzen kann, genieße ich die kurze Zeit, die wir gemeinsam haben und weiß doch jeden Tag, dass auch diese Zeit begrenzt ist. Wir gehen einen kleinen Teil des Weges gemeinsam.

Auch wir beiden werden uns irgendwann voneinander verabschieden, wenn sich der Kreis des Lebens schließt. Da ich von Dir lernen durfte, im Jetzt zu leben und mein eigenes Denken und Fühlen zu sehen, kann ich jeden Moment in mich aufnehmen und bewusst genießen. Dafür danke ich Dir von Herzen.

Ich wünsche Dir ein Leben im Jetzt. Es heisst ja schließlich “Jetzt geht´s ab”, oder?

Dein Papa

2018-02-28T19:36:57+01:00

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